Es war eine tolle Zeit in Südafrika. Es hat sich definitiv gelohnt, meine Englischkenntnisse wurden um einiges verbessert, vor allem beim Sprechen. Ich konnte mal etwas komplett anderes sehen. Andere Menschen, andere Kulturen, ein anderes Klima, eine großartige Landschaft, wirkliche Armut und Probleme. Diese Erfahrungen und Eindrücke kann mir niemand nehmen! Rein fachlich hat es mir sicherlich auch den Horizont erweitert, doch maßgebend waren es die Soft-Skills von denen ich am meisten mitgenommen habe…an diese Zeit werde ich mich noch lange zurück erinnern und wohl auch nie vergessen!
Hier noch eine kleine Zusammenfassung von Land und Leute…
Land:
Südafrika ist ein großartiges Land und ich bereue es kein Stück, dass ich Südafrika den USA vorgezogen habe. Wir sind im südafrikanischen Winter gelandet, bei Sonnenschein und T-Shirt Temperaturen. Die Nächte waren Anfangs noch recht kühl bei 7-9°C, das liegt aber daran, dass die Häuser keinerlei Isolierung oder Heizungen haben und durch die Nacht auskühlen. Das Port Elizabeth noch zwei andere Namen hat, nämlich „Windy City“ (die windige Stadt) und „Friendly City“ (weil gesagt wird, dass dort die freundlichsten Leute in Südafrika wohnen) haben wir recht schnell gemerkt. Vor allem „Windy City“ trifft es ganz gut. Es war wirklich die Ausnahme, wenn es mal Windstill war. Meistens hat der Wind ordentlich geblasen, an einigen Tagen auch so stark das man sich beim nach Hause laufen richtig gegen den Wind legen musste um nicht rückwärts zu laufen. Der Wind wiederum machte den Strandaufenthalt oftmals unangenehm aus zweierlei Sichten: Einmal weil man mit dem Handtuch im Sand liegt und der Sand nachher überall ist (Ohren, Mund, Augen, Kopfhaut etc), man wurde quasi gesandstrahlt. Zum anderen, weil der Wind meist kalt war und man somit gezwungen war, ein Pulli oder wenigstens ein T-Shirt anzuziehen damit man nicht friert.
Südafrika hat tolle Kontraste. Man blickt auf das offene Meer und den Strand und genießt jede Sekunde. Dreht man sich um 180° kann man teilweise Berge sehen, Wälder, Palmen und und und. Mit jedem Kilometer den man durchs Land fährt ändert sich die Landschaft. Wirklich toll und sehr beeindruckend. Die zwei schönsten Flecken in Südafrika für mich waren die riesige Düne zwischen Port Elizabeth und Jeffreys Bay (bei Blue Horizon Bay) und Kapstadt. Ich war zwar nur eine knappe Woche in Kapstadt, aber dort hat es mir so sehr gefallen, dass ich weiß, das ich dort auf jeden Fall nochmal in hingehen werde. Der Strand von Camps Bay ist ein Traum und der Blick vom Meer auf die Stadt und den Tafelberg ist einfach phänomenal. Auch die felsige Küste die es oftmals gibt ist wunderschön und es macht Spaß dort der Brandung zuzuschauen und zu lauschen wie die Wellen gegen die Steine und Felsen preschen.
Kontraste:
Die Kontraste zwischen Arm und Reich könnten nicht größer sein. Einfache Arbeiter verdienen im Monat wenn sie Glück haben 100€ und müssen damit ihre Familie ernähren, während der Villenbesitzer überlegt welches Auto er heute aus seinem Fuhrpark auswählt um Brötchen kaufen zu gehen. Vor allem in den Townships, wo die wirklich armen wohnen und leben, gibt’s teilweise traurige Zustände. Fließend Wasser ist nicht immer vorhanden, die „Häuser“ bestehen aus Holzbretter, Dachlatten, Wellblech und sonstigen Dingen die man so im Schrott findet. Gehobener Häuser im Township haben dann wenigstens Steinmauern. Die Zeit der Apartheit ist von offizieller Seite vorbei, allerdings merkt man schon noch deutlich, dass Unterschiede gemacht werden. In jedem Restaurant sind die Bedienungen schwarz, die Restaurant oder Filialleiter aber in aller Regel weiss.
Leute:
Die meisten Leute die wir so kennengelernt haben waren sehr nett, höflich und zuvorkommend. Die Jungs und Mädels aus dem Labor waren stets hilfsbereit und man hat sich sehr bemüht das wir uns wohl fühlen dort. Wenn man die anfängliche Skepsis und das Misstrauen den „fremden“ gegenüber nieder gelegt hat, dann entstanden sogar recht gute Freundschaften. Ich finde man hat immer sehr schnell heraus bekommen was die Absichten der Leute (ob gut oder schlecht) sind und ob sie es gut meinen mit einem oder nicht. Man wird ständig gefragt wie es einem geht und ob alles gut ist, ein „How are you?“ oder „Howzit?“ (Afrikaans) kommt eigentlich immer als erster Satz wenn man jemand trifft, man kann es vergleichen mit einem deutschen „Wie geht’s dir?“ oder „Was geht ab?“.
Viele freuen sich sogar sehr wenn man sie anspricht und man sich um ihr Wohlbefinden kümmert.
Unterkunft:
Wir hatten eigentlich richtig Glück. Ein großen Haus für uns sechs Mechatroniker alleine, mit einem guten und großzügigen Garten, einem wirklich tollen Grill – den wir auch sehr oft benutzt haben – und das alles in guter Nähe zur Hochschule. Von unserem Hauseingang bis zum Eingang ins AMTC (Advanced Mechatronic Technology Center, also unser Labor) waren es genau 1436m und man kann es gut in 10-15 Minuten (je nach Laune und Müdigkeit) erreichen. Woher ich das so genau weiß? Ich habe es mal mit einem GPS-Programm auf meinem iPhone getracked.
Wenn man mal von den Vögeln über meiner Holzdecke (die sind dort dauernd rumgelaufen/geflogen und gezwischert haben), dem Schimmel in Tobi’s Zimmer, der alten Waschmaschine und der anfangs unsauberen Küche absieht, hatten wir es eigentlich echt gut dort.
In den ersten Tagen machten wir uns noch sorgen um die klapprigen Schlösser und Türen („Sicher“ ist anders!), dem mega sicheren Tor
und dem nicht funktionierenden Elektrozaun, aber mit der Zeit hat man sich damit abgefunden und fühlte sich auch eigentlich sicher. In den ganzen Wochen und Monaten ist uns nicht einmal etwas passiert, wenn auch ein paar mal Leute geklingelt haben und irgendwelche Sachen wollten, sei es aufs Klo gehen dürfen oder fragen wie viele Leute hier wohnen. Ich würde im Prinzip sofort wieder dort wohnen, wenn die kleinen Mängel beseitigt werden würden.
Kriminalität:
Kriminalität? Gibt es definitiv. Was uns alles für Geschichten aufgetischt wurden bevor wir in Südafrika waren. Man hatte sich teilweise richtig sorgen gemacht, aber wir wollten unsere eigenen Erfahrungen sammeln. Von Gewalt oder Kriminalität habe ich aber nichts zu spüren bekommen während ich dort war. Ziemlich am Anfang haben wir mal gesehen wie zwei Afrikaner mit einem Messer versucht haben ein Auto aufzubrechen, aber sonst habe ich nichts kriminelles gesehen. Gehört hat man aber von Einbrüchen, Diebstahl und Raub. Wenn man weiß, wie man sich verhalten muss, dann kommt man auch gut klar dort unten. Wichtige Verhaltensregeln waren bzw. sind:
Mobiltelefone nur wenn es wirklich sein muss raus holen, vor allem wenn es dunkel ist aufpassen, da man das helle Display oft schon von weitem sieht. (Das weckt Interesse!)
keine Wertsachen offensichtlich herumtragen, am besten nicht in der hinteren Tasche einer Hose sondern vorne. Nicht mit dem Laptop unterm Arm herum laufen usw, eigentlich erschließt sich das aus dem gesunden Menschenverstand.
Generell misstrauisch sein wenn man von Fremden angesprochen wird oder sie Hilfe oder sonst etwas (Geld z.b., gibt viele Bettler) wollen
NIEMALS (!!!) jemand aufs eigene Gelände oder gar ins Haus lassen den man nicht kennt. Die normale Masche ist: Man lernt „vermeintlich“ nette Leute in der Disco kennen, die sich als Freunde ausgeben und auch mal auf etwas zu trinken einladen (auch hier Vorsicht, man weiß nie, was drin ist!) um später noch in die eigene Bude eingeladen zu werden. Dort werden dann die Sicherheitseinrichtungen gecheckt (Wo ist eine Schwachstelle?) und in den nächsten Tagen – wenn niemand da ist – gehen sie rein und holen alles was sich verkaufen lässt.
Preisniveau:
Im großen und ganzen schenkt es sich nichts mit deutschen Preisen. Fleisch ist günstiger als bei uns in Deutschland. Beauty Artikel wie Shampoo, Deo etc und vor allem Sonnencreme sind relativ teuer. Wenn man allerdings bestimmte Läden kennt, so kann man auch gut Geld sparen, Supermärkte sind meist teurer. Essen gehen ist teilweise auch günstig, nen gutes Rindfleisch oder ähnliches mit Beilage und Getränk gibt es sehr oft unter 10€, je nach Gegend und Art des Restaurants. Der Sprit hat etwas weniger wie 1€ gekostet für den Liter Super 95. Überraschend günstig war telefonieren von Südafrika nach Deutschland nach 19 Uhr. Da kostet die Minute 0,11€ wenn man von einer südafrikanischen SIM-Karte anruft. Mit einer deutschen SIM-Karte ist man da locker mit 2-3€ pro Minute dabei. Internet (Datenvolumen) vom Handy aus ist nicht billig, da kostet 1GB schnell 27-30€. 1GB Datenvolumen im Haus über den Anbieter Wizard haben ungefähr 5,50€ gekostet. Dafür ist es mit 44kb/s im download SEHR langsam.